Gentiana Primary School Nairobi, Kenia

Seit dem Jahr 2001 unterstützen wir die Gentiana Primary School, eine kleine, private Schule im ausufernden Slum von Kawangware in Kenias Hauptstadt Nairobi. Sie steht ausschliesslich Kindern der Ärmsten offen. Bevorzugt aufgenommen werden Kinder mit Lernschwierigkeiten. Die 240 Schülerinnen und Schüler werden von 10 Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet. Angegliedert an die Schule sind das Stipendienprogramm, Sozialprogramme, Beratungsprogramme und die Elektriker-Ausbildung. Seit Anfang des Jahres 2018 gibt es zusätzlich einen Kindergarten, der 30 Kindern Platz bietet.

Der Name der Schule weist auf den starken Bezug zur Schweiz hin: Gentiana ist der lateinische Name des Bergenzians, einer ausgesprochen zähen und leuchtenden Pflanze in den Schweizer Alpen. Sie ist ein Symbol für die kleine Schule in Kawangware.

Das Leitmotiv der Schule ist kurz, aber von besonderer Tragweite: Die armen Kinder aus dem prekären sozialen Umfeld Kawangwares brauchen eine ganz besondere Förderung. Nur Schulstoffvermitteln reicht hier nicht aus. Der Not gehorchend versucht die GPS seit Jahren eine Antwort auf die besonderen Lebensumstände der Kinder zu geben und ihnen zu helfen. Neben dem Abgeben von Porridge während des Vormittags hat die GPS vier Spezialprogramme eingerichtet.

Stipendienprogramm:

Zwar dauert in Kenya die Primarschule acht Jahre, aber sie legt aufgrund des Lehrplans nur einen schmalen Grundstein fürs Leben. Ohne den Besuch der nächst höheren Sekundarschule, die vier Jahre dauert und mit einer Art Matura (Abitur) abgeschlossen wird, ist nicht einmal eine etwas qualifiziertere Hilfsarbeiterstelle zu ergattern.

Das Gentiana-Stipendienprogramm ermöglicht Schulabgängerinnen und Schulabgängern den Besuch höherer Schulen oder Berufsschulen. Aus prinzipiellen Gründen der Mitverantwortung haben sich die Eltern mit einem Beitrag zwischen 5 und 40 Prozent an den Schulkosten zu beteiligen; ausgenommen sind die Vollwaisen.

Die Stipendiaten haben dreimal pro Jahr, während ihrer Ferien, einen je einwöchigen Arbeitseinsatz in der Gentiana Primary School zu leisten. Wer nicht erscheint oder trotz vormaliger Warnung die Leistungen in der Sekundarschule nicht erbringt, wird vom Programm gestrichen.

 

Sozialprogramme:

Wenn Kinder leiden, darf eine Schule nicht wegschauen. Die Gentiana Primary School versucht mit bescheidenen Mitteln die drängendste Not zu lindern. Viel ist schon geholfen mit dem Porridge am Vormittag und dem Mittagessen; für viele Kinder ist es die einzige warme Mahlzeit des Tages. 

Das von einer zusätzlich in Sozialarbeit ausgebildeten Lehrerin geleitete Gentiana Sozialprogramm hilft hungernden und vernachlässigten Kindern, kauft ihnen Kleider und Schuhe, betreut die drei Eptileptiker, die Hörgeschädigten und die HIV-positiven Kinder und leistet auch Nahrungsmittelhilfe, um kurzfristige Notlagen zu überbrücken. Es sucht für Kinder, die von ihren Müttern verlassen wurden, gute Pflegeeltern; diese werden bescheiden honoriert und alle zwei Wochen durch Besuche kontrolliert. 

Den grössten Ausgabenposten macht die medizinische Hilfe aus; die Gentiana Primary School hat einen Zusammenarbeitsvertrag mit der benachbarten Klinik einer italienischen Organisation.

 

Beratungsprogramme:

Eine ganze Reihe von Gentiana-Kindern ist traumatisiert durch den Tod der Eltern oder eines Elternteils, in der Regel an Aids. Andere wiederum tun sich schwer mit den wechselnden Partnern ihrer Mütter; vor allem Mädchen der Oberstufe leiden bisweilen unter den Nachstellungen von Freunden ihrer unverheirateten Mütter. 

Individuelle Sorgen der Kinder wirken sich zwangsläufig auf ihr persönliches wie schulisches Fortkommen aus. Speziell ausgebildete Lehrerinnen und Lehrern nehmen sich dieser Kinder an und begleiten sie. In allen Fällen werden die Eltern oder Elternteile in die Beratung miteinbezogen. Dies gilt vor allem für junge, materiell äusserst schlecht gestellte Mütter, die sich nicht zurecht finden und in ihrer Hilflosigkeit ihre Kinder prügeln. Bisweilen reicht schon eine bescheidene materielle Hilfe, um familiäre Probleme zu entschärfen. 

Lassen sich durch Beratung keine Verbesserung erzielen, werden mit Hilfe des staatlichen Children’s Office rechtliche Schritte eingeleitet.

 

Elektriker-Ausbildung:

Viele Abgänger der Gentiana Primary School bevorzugen einen handwerklichen Beruf. Weil die Ausbildung von Lehrlingen nach schweizerischem oder deutschem Muster fehlt und die meisten Berufsschulen nicht sehr viel taugen, hat die GPS im Januar 2009 eine Elektrikerschule eröffnet. 

Warum gerade Elektriker? Die Berufsaussichten in dieser Sparte sind gut; zudem waren relativ bescheidene Investitionen notwendig, und schliesslich liess sich die Elektrikerschule als “stilles Gewerbe” leicht in einem Seitentrakt der Gentiana Primary School unterbringen. 

Die Lehre dauert zwei Jahre und wird mit einem staatlichen Diplom abgeschlossen. Über das reine Fachwissen hinaus erhalten die Lehrlinge neben einem umfassenden Computertraining eine intensive Schulung in Buch- und Geschäftsführung, Englisch sowie in Staatskunde und Arbeitsrecht. 

Alle Lehrlinge werden zu Beginn mit einem Satz der wichtigsten Werkzeuge ausgerüstet. Sofern sie nach dem Ende des zweiten Lehrjahrs die Prüfung bestehen und im Unterricht nie gefehlt haben, erhalten sie das Werkzeug, als Starthilfe für den Einstieg ins Berufsleben.